Technik ohne Grenzen?
Sie heißen PDA, Pocket PC, Smartphone oder MID. Gemeint ist die Geräteklasse zwischen Handy und Computer. Mehr als ein Telefon, handlicher als ein Notebook und ungemein praktisch fürs tägliche Leben, mobil, agil, flexibel verwendbar.
Nein, ich wurde nicht von der IT-Wirtschaft für diesen Bericht bestochen ![]()
Es geht um etwas ganz anderes.
Auch blinde Benutzer haben den Nutzen von PDAs und co. Weithin erkannt, warum auch nicht, schließlich ist ein Blinder noch weitaus mehr auf funktionierende Computer angewiesen und die Nutzung eines PDAs ist nur eine natürliche Fortentwicklung seines Nutzungsverhaltens.
Auch die Hersteller von Blindenhilfstechnologien, so sollte man meinen, hätten diesen Umstand honorieren müssen.
Und tatsächlich – Einige Hersteller haben mittlerweile entsprechende Lösungen im Programm, so z.B. die Firma Baum
Ein Blinden-PDA der Firma Baum und ein moderner Pocket PC für Sehende-
Im Bild links seht ihr den Pronto! – ein Mobile-Computer für Blinde, -
unübersehbar!
Kein Display, – wozu auch, ein Blinder hat doch keine sehenden Freunde oder Kollegen – dafür eine für Blinde im Grunde sehr praktische Brailleausgabe – immerhin, in diesem kleinen Kasten wird wohl niemand einen Taschencomputer sehen und so dürfte er auch nie geklaut werden. – Etwas positives muss es schließlich auch geben in diesem Bericht. ![]()
Denn im Grunde weiß ich bei Produkten dieser Art nicht ob ich mich freuen oder weinen soll.
Schön, der Bedarf wurde erkannt, die Anwender werden aber weiterhin für blöd und unbedarft verkauft.
Werfen wir einen Blick ins Innere!
Der Pronto! Kommt im Grunde mit allen wichtigen PDA-Funktionen, – Textprogramm, eine Art Mobile Word, Kalender, Kontaktverwaltung, Notizen,, Webbrowser und Messenger, ein Webradioclient und. . . – eine Uhrzeit – und Weckerfunktion. – unglaublich.
Ferner finden wir ein Thermo- und Barometer, unverzichtbar für einen PDA, da wird man etwa auf WLAN oder HSPA-Modem gern verzichten. ![]()
Nein nein, das ist nicht lustig. . . eher traurig -
Im Ernst – Bei der Featureauswahl wurde offenbar nur sehr bedingt auf reale Nutzungsszenarios Rücksicht genommen.
Immerhin – in seiner neusten Version bringt der Pronto! Jetzt ein WLAN-Modul mit, endlich. Doch die Freude über die Annäherung an zeitgemäße Ausstattung dauert nicht lang.
Hardwaremäßig hat Baum nun seine Hausaufgaben gemacht, auf der Softwareseite dafür kläglich versagt und auf eine Unterstützung von WPA2 vorerst verzichtet.
Zum Vergleich
Mein N95 von vor… – ich weiß nicht, so ca drei Jahren, unterstützt selbstverständlich nicht nur WPA2, sondern auch eine Zertifikatanmeldung, etwas, das speziell in Firmennetzwerkumgebungen schnell notwendig werden kann.
Und soweit mir bekannt trifft dies auf praktisch alle Smartphonebetriebssysteme zu.
Nun wäre es ein Leichtes gewesen den Usern eine zeitgemäße Softwareumgebung zu bieten, was bei dem stolzen Preis von weit über 3000 Euro auch das Mindeste wäre, was man erwarten darf.
Baum hatte sich schon für Windows als Plattform entschieden, setzte dann allerdings auf eine hoffnungslos veraltete Windows-CE-Version, jener schon fast vergessenen Variante für mobile Geräte um die Jahrtausendwende.
Warum nicht gleich WindowsMobile in einer aktuellen Version, 6.1 würde mir ja schon reichen.
Aber dann müsste man dem Gerät auch gleich einen vernünftig dimensionierten Prozessor und Hauptspeicher verpassen. – bei einem Preis von gut und gerne dreieinhalb tausend Euro nun wirklich zu viel verlangt. . .
Das würde aber auch den Anwendern ein wesentlich aufregenderes Nutzungserlebnis bringen.
Für WindowsMobile gibt es fast so viele Applikationen wie fürs iPhone…
Blind = blöd?
Es macht den Eindruck, als sähen Hersteller wie die Firma Baum in ihren Kunden eine Herde zurückgebliebener Steinzeitmenschen, für die ein Computer das Größte seit der Glühbirne darstellt.
Wahrscheinlich herrscht dort auch die Vorstellung, die Blinden könnten ruhig ein wenig dankbar sein, dass man ihnen ein wenig Technik vorsetzt, mit der sie ihren tristen Alltag in Schwung bringen können.
Zwei-Klassengesellschaft IT
Diese Geschäftsphilosophie wirkt arrogant und wenig sympathisch, zumal es auch anders geht.
Im Bild seht ihr neben dem Pronto! Einen Pocket PC von HTC.
Auf ihm läuft WindowsMobile, sowie eine Applikation, die den Bildschirminhalt in gesprochene Worte überträgt, ein sog. Screenreader. Diese gibt es für Desktoprechner, aber eben auch für Smartphones.
Der blinde Nutzer hat hier zwar kein Brailledisplay zum Lesen mit der Hand, dafür bekommt er ein (vollwertiges) Smartphone, mit dem man eben auch telefonieren und (wirklich mobil( über HSDPA im Internet surfen oder Messaging-Dienste nutzen kann, und das zu einem Bruchteil des Preises, den Baum verlangt, für sein Wunderwerk.
Und so mancher Blinde hat vielleicht auch noch einen Sinn für Estetik und könnte so zum neuen Apple iPhone greifen, das in seiner 3GS-Version auch einen solchen Screenreader für Blinde anbietet, – aber funktional und optisch doch die zeitgemäßere Antwort auf alle drängenden Fragen von Kommunikation und Organisation im Alltag darstellen dürfte.
Fazit
So lange Hersteller wie Baum den Blinden keine Lösungen liefert, die gleichwertig zu den am Markt befindlichen Geräten für Sehende sind, werden diese weiterhin die Wahl haben sich entweder an ein Produkt mit unübersehbaren Schwächen zu gewöhnen und neidisch auf die Smartphones ihrer sehenden Kollegen zu schielen, oder sich für ein offenes System entscheiden, d.h. ein handelsübliches Smartphone + Screenreader-Applikation;
Das ist ohnehin schicker und hat zudem den Vorteil, dass es ein (zumeist recht hoch auflösendes( Display hat und der Blinde es auch mal seinen Freunden in die Hand drücken kann.

Verfasst von STRANDED 













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