Forschungsbericht des Instituts für Geoinformatik Münster
Von Christoph Mülligan
Mobile Zukunft: Information heute und morgen
Ein paar Inputs aus dem Institut für Geoinformatik in Münster.
Jetzt werden sich bestimmt einige fragen, was wohl Geoinformatik ist – nun ja, zunächst einmal ein Kunstwort aus Geographie und Informatik. Dahinter steckt ein, wie es so schön heißt, „interdisziplinärer Studiengang“. Ich möchte euch aber nicht mit irgendwelchem Studienkram vollquatschen, sondern versuchen einen Ausblick auf einen bestimmten Bereich der zukünftige Informationstechnik zu geben, nachdem ich als Student in meinen gerade mal 3 Semestern einen (kleinen) Einblick in die Forschung unseres Instituts erhaschen konnte.
Sie konzentriert sich im groben auf die Frage, wie Information überall und jederzeit möglichst benutzerspezifisch und -freundlich dargestellt werden kann. Dabei interessiert zunächst einmal nicht die Hardware (Uni ist halt nicht gleich FH), sondern die Denke dahinter. Eine Kamera sagt einem, dass das Pixel x/y weiß ist und ein anderes schwarz oder was weiß ich. Welche Konsequenzen das aber für eine Anwendung oder andere Komponente hat, ist nicht unbedingt trivial und erfordert, sagen wir mal, einen cognitiven Prozess – und es gibt tatsächlich Leute, die allein damit später ihr Geld verdienen wollen
.
Natürlich steht in unserem Institut trotzdem allerlei Schnickschnack rum, der nach Belieben kombiniert, augmentiert oder nihiliert wird. Wenn man in ein so genanntes „Labor“ kommt, kann es einem passieren, dass plötzlich ein monströser Beamer von der Wendigkeit einer Selbstschussanlage aus der Decke fährt und irgendwelche kryptischen Zeichen auf Wänden oder Karten mittels DigiCam anvisiert. Auch auf den Fluren ist man selten sicher, weil einige Robocars irgendwie nie lernen werden, einen Kubikmeter Mensch von einem Kubikmeter Luft zu unterscheiden; nicht zu vergessen die iDisplays, welche einem zu jeder sich bietenden Gelegenheit auf die Nase binden, dass die Anmeldefrist für etwaige Klausuren gestern abgelaufen ist.
So, und was machen die nun sinnvolles da?
Die genannten Beispiele haben alle irgendwas mit „Raum“ zu tun, sei es im geographischen oder im mathematischen/geometrischen Sinne. Und ob ihr es glaubt oder nicht, tangiert uns dieser Raum in beiderlei Hinsicht:
Routenplaner, Navi und Positionsbestimmung via Handy gehören ja mittlerweile fast schon zu jedermanns Standardausrüstung. Was die Interaktion mit dem Benutzer und der Umwelt angeht, gibt es da aber noch viel Potential. In einer Arbeitsgruppe wurde z.B. Software für PDA-ähnliche Geräte entwickelt, die real existierende Stadtpläne (ihr wisst schon: in Fußgängerzonen, die Dinger in den Vitrinen) um digital vorliegende Informationen über ein(e) Kamera bzw. Display erweitern. Der Vorteil liegt auf der Hand: man hat immer viele aktualisierbare Informationen (z.B. über Standorte von Geldautomaten, Kneipen und anderen Locations) bei sich, setzt sie da ein, wo man sie wirklich braucht, und spart sich den Speicherplatz für die Karten grundlage von unzähligen Städten bzw. nutzt den Vorzug der besseren Übersichtlichkeit von analogen Darstellungen. Wenn man diese Idee weiterdenkt, richtet man vllt. in ein paar Jahren schon seine Handycam auf eine Häuserfront und die Anzeige vermittelt einem über neonfarbene Gerippe, dass sich der nächste McDonalds direkt zwei Straßenzüge dahinter befindet und Gutscheine für die Nutzer dieses Dienstes bereit hält. Münster wird derzeit schon 3D-modelliert, der Abgleich von Modell und Wirklichkeit wäre dann nur ein weiterer Schritt.
Etwas, das vllt. mehr unsere alltäglichen als die touristischen Bedürfnissen befriedigt, ist eine bessere Benutzerschnittstelle/-oberfläche für den geliebten Computer. Jeder, der seine zehn Finger (ich nehme das mit den Daumen anatomisch nicht so genau) bei nur einem Cursor auf dem Desktop ein wenig unausgelastet sieht, sollte sich den Begriff „Multi Touch Interfaces“ einprägen. In Sachen Usability werden diese ein ganz großer Schritt nach vorne sein, bedürfen aber auch komplexerer Überlegungen, was z.B. das simultane Tracking mehrerer Cursor-Pfade angeht. Sie könnten im Zusammenwirken mit der Mustererkennung (…die kryptischen Zeichen) aber auch die Präsentationtechnik revolutionieren. Man stelle sich nur vor, das an die Wand geworfene Skript würde dem hyperaktiven Prof automatisch ausweichen oder ließe sich zusammenknüllen und in den Papierkorb werfen. So gut wie alle Grundfunktionen (markieren, copy&paste, zoomen, …) gehen einfach viel schneller, wenn man seine Hände benutzen kann. Single Touch Interfaces scheinen sich ja mit dem iPhone schon etabliert zu haben – man darf also hoffen.
Vielleicht ist das alles hier für einige Technikbegeisterte nichts neues. Für mich ist es auch eine Möglichkeit einmal, stichprobenhaft, „von der Quelle“ zu berichten – und das ist eben nicht nur die Wirtschaft. Die Köpfe der Entwicklungsabteilungen großer Firmen waren auch irgendwann mal an Uni oder FH und haben dort den Grundstein gelegt für ihre spätere (Millionen schwere) Forschnung, die der ihrer ehemaligen Profs jetzt unter Umständen um Längen voraus ist.
In Münster sind auf jeden Fall alle mit Enthusiasmus dabei.
Alles wird gut – und abrufbar
,
lumpy
P.S.: …zur Website hier lang, Uni Münster
TechnoTrend bedankt sich für den Beitrag
Verfasst von STRANDED 













Verfasst von STRANDED