Mobile Zukunft: Information heute und morgen

April 4, 2008

Forschungsbericht des Instituts für Geoinformatik Münster

Von Christoph Mülligan


Mobile Zukunft: Information heute und morgen

Ein paar Inputs aus dem Institut für Geoinformatik in Münster.

Jetzt werden sich bestimmt einige fragen, was wohl Geoinformatik ist – nun ja, zunächst einmal ein Kunstwort aus Geographie und Informatik. Dahinter steckt ein, wie es so schön heißt, „interdisziplinärer Studiengang“. Ich möchte euch aber nicht mit irgendwelchem Studienkram vollquatschen, sondern versuchen einen Ausblick auf einen bestimmten Bereich der zukünftige Informationstechnik zu geben, nachdem ich als Student in meinen gerade mal 3 Semestern einen (kleinen) Einblick in die Forschung unseres Instituts erhaschen konnte.
Sie konzentriert sich im groben auf die Frage, wie Information überall und jederzeit möglichst benutzerspezifisch und -freundlich dargestellt werden kann. Dabei interessiert zunächst einmal nicht die Hardware (Uni ist halt nicht gleich FH), sondern die Denke dahinter. Eine Kamera sagt einem, dass das Pixel x/y weiß ist und ein anderes schwarz oder was weiß ich. Welche Konsequenzen das aber für eine Anwendung oder andere Komponente hat, ist nicht unbedingt trivial und erfordert, sagen wir mal, einen cognitiven Prozess – und es gibt tatsächlich Leute, die allein damit später ihr Geld verdienen wollen :-) .
Natürlich steht in unserem Institut trotzdem allerlei Schnickschnack rum, der nach Belieben kombiniert, augmentiert oder nihiliert wird. Wenn man in ein so genanntes „Labor“ kommt, kann es einem passieren, dass plötzlich ein monströser Beamer von der Wendigkeit einer Selbstschussanlage aus der Decke fährt und irgendwelche kryptischen Zeichen auf Wänden oder Karten mittels DigiCam anvisiert. Auch auf den Fluren ist man selten sicher, weil einige Robocars irgendwie nie lernen werden, einen Kubikmeter Mensch von einem Kubikmeter Luft zu unterscheiden; nicht zu vergessen die iDisplays, welche einem zu jeder sich bietenden Gelegenheit auf die Nase binden, dass die Anmeldefrist für etwaige Klausuren gestern abgelaufen ist.
So, und was machen die nun sinnvolles da?
Die genannten Beispiele haben alle irgendwas mit „Raum“ zu tun, sei es im geographischen oder im mathematischen/geometrischen Sinne. Und ob ihr es glaubt oder nicht, tangiert uns dieser Raum in beiderlei Hinsicht:
Routenplaner, Navi und Positionsbestimmung via Handy gehören ja mittlerweile fast schon zu jedermanns Standardausrüstung. Was die Interaktion mit dem Benutzer und der Umwelt angeht, gibt es da aber noch viel Potential. In einer Arbeitsgruppe wurde z.B. Software für PDA-ähnliche Geräte entwickelt, die real existierende Stadtpläne (ihr wisst schon: in Fußgängerzonen, die Dinger in den Vitrinen) um digital vorliegende Informationen über ein(e) Kamera bzw. Display erweitern. Der Vorteil liegt auf der Hand: man hat immer viele aktualisierbare Informationen (z.B. über Standorte von Geldautomaten, Kneipen und anderen Locations) bei sich, setzt sie da ein, wo man sie wirklich braucht, und spart sich den Speicherplatz für die Karten grundlage von unzähligen Städten bzw. nutzt den Vorzug der besseren Übersichtlichkeit von analogen Darstellungen. Wenn man diese Idee weiterdenkt, richtet man vllt. in ein paar Jahren schon seine Handycam auf eine Häuserfront und die Anzeige vermittelt einem über neonfarbene Gerippe, dass sich der nächste McDonalds direkt zwei Straßenzüge dahinter befindet und Gutscheine für die Nutzer dieses Dienstes bereit hält. Münster wird derzeit schon 3D-modelliert, der Abgleich von Modell und Wirklichkeit wäre dann nur ein weiterer Schritt.
Etwas, das vllt. mehr unsere alltäglichen als die touristischen Bedürfnissen befriedigt, ist eine bessere Benutzerschnittstelle/-oberfläche für den geliebten Computer. Jeder, der seine zehn Finger (ich nehme das mit den Daumen anatomisch nicht so genau) bei nur einem Cursor auf dem Desktop ein wenig unausgelastet sieht, sollte sich den Begriff „Multi Touch Interfaces“ einprägen. In Sachen Usability werden diese ein ganz großer Schritt nach vorne sein, bedürfen aber auch komplexerer Überlegungen, was z.B. das simultane Tracking mehrerer Cursor-Pfade angeht. Sie könnten im Zusammenwirken mit der Mustererkennung (…die kryptischen Zeichen) aber auch die Präsentationtechnik revolutionieren. Man stelle sich nur vor, das an die Wand geworfene Skript würde dem hyperaktiven Prof automatisch ausweichen oder ließe sich zusammenknüllen und in den Papierkorb werfen. So gut wie alle Grundfunktionen (markieren, copy&paste, zoomen, …) gehen einfach viel schneller, wenn man seine Hände benutzen kann. Single Touch Interfaces scheinen sich ja mit dem iPhone schon etabliert zu haben – man darf also hoffen.

Vielleicht ist das alles hier für einige Technikbegeisterte nichts neues. Für mich ist es auch eine Möglichkeit einmal, stichprobenhaft, „von der Quelle“ zu berichten – und das ist eben nicht nur die Wirtschaft. Die Köpfe der Entwicklungsabteilungen großer Firmen waren auch irgendwann mal an Uni oder FH und haben dort den Grundstein gelegt für ihre spätere (Millionen schwere) Forschnung, die der ihrer ehemaligen Profs jetzt unter Umständen um Längen voraus ist.
In Münster sind auf jeden Fall alle mit Enthusiasmus dabei.
Alles wird gut – und abrufbar ;-) ,

lumpy

P.S.: …zur Website hier lang, Uni Münster

TechnoTrend bedankt sich für den Beitrag


CeBit Mash Up | Bemerkenswertes aus 2008

April 4, 2008

Da die diesjährige CeBit schon einige Wochen zurückliegt wird euch wohl klar sein, dass dieser Beitrag keine Newszusammenfassung sein soll, sondern nur ein paar kurze Quereinblicke in meiner subjektiven Meinung nach besonders spannende Themen bzw. Entwicklungen liefern soll.

SkyWalk Messe Hannover

Zuerst muss ich mal sagen, dass ich nie wieder an einem Consumertag zur Cebit kommen werde. Die Messe ist so überfüllt, dass jede Stunde einen mehr schlaucht als die letzte, und die meisten Firmen haben ihre Fachleute und Ansprechpartner für technische Fragen schon abgezogen. Das war überhaupt das größte Ärgernis dieses Besuches.
OK! Was gab es berichtenswertes… -
Recht spannend fand ich die Demonstration einer innovativen Substanz zum Löschen von Bränden in elektronischen Anlagen – Bei Novec handelt es sich um ein Mittel, das die Temperatur der Flammen unheimlich schnell herunterkühlt und das Feuer so ausgehen lässt. Dabei verursacht sie, anders als andere, Stickstoffbasierende Löschanlagen, nicht den Tod evtl anwesender Menschen. Ich habe selbst die Hand reingehalten. Das Zeug fühlt sich lau warm an und verdampft beim Rausziehen sofort auf der Haut, die dadurch dann deutlich abkühlt. Kein Kribbeln, kein Brennen, die Flüssigkeit ist geruchlich neutral und gesundheitlich unbedenklich – sagt man ;) und sie ist auch völlig unschädlich für jede Art Technik und Elektrik.

Feuerfester Technikschrank

Präsentiert wurde das Ganze am Stand von einer Firma, die feuerfeste Serverschränke herstellt. Diese ertragen nach Angaben des Herstellers Temperaturen von über 1000 Grad mind eine dreiviertel Stunde, ohne dass die enthaltene Technik Schaden nimmt – stolze Leistung.


Wie fühlst du dich?

Auch ziemlich beeindruckend fand ich eine Software, die den Gesichtsausdruck eines Menschen interpretiert und seine jeweilige Stimmung erkennt.

Gesichtserkennung

Diese Software wird mit Bildern einer Kamera gefüttert, in die der Benutzer schauen muss – eine recht hochauflösende Kamera denke ich, weil die ausgeführte Anwendung mit Sicherheit so gute Bilder wie irgend möglich bekommen sollte.

HAPPY

Anyway – Wenn ich gelächelt habe zeigte er „HAPPY“, wenn ich wütend geguckt habe „ANGRY“ – wenn man die Augenbrauen hochzieht sagt er „SURPRISE“ -
Potenzielle Anwendung findet die Technik im Sicherheitsbereich, etwa um Übermüdung bei Autofahrern zu erkennen. Auch eine Anwendung bei der Überprüfung von Zugangsberechtigungen zu Sicherheitskritischen Bereichen von Firmen hielt ein Unternehmenssprecher für „durchaus erwägenswert“, dies jedoch erst auf explizite Nachfrage.

Weitere CeBit-Themen im Überblick

Ich persönlich verstand bisher unter dem Begriff „VisualRadio“ immer nur die von Nokia einst entwickelte Technik zur Anreicherung von FM-Radiosendungen mit visuell übertragenen Infos als Ergänzung zum Programm. Nokia hatte dieses Feature in alle seine N-Series-Geräte eingebaut, doch das Projekt war eine Todgeburt, zumindest bei uns. Mir ist nur ein Sender bekannt, der mal Visualradioinhalte ausgestrahlt hatte, nämlich der relativ banale Hot-AC-Sender Radio FFH in Hessen.

Visual Radio

Die Frauenhofergesellschaft hat jedoch einen Standard gleichen Namens entwickelt. Hierbei werden ebenfalls visuelle Inhalte passend zu einem Radiostream übertragen, allerdings nicht über eine seperate Datenverbindung wie beim Nokiaprodukt, sondern direkt per Radiosignal.
Das liefert natürlich nur recht kümmerliche Bildqualität, Aktualisierung alle zwei Sekunden – aber immerhin! Für Verkehrsnews oder Wetter wirds wohl reichen.

EE PC Mit Holz verkleidetes Notebook von Asus

Asus drängt inzwischen machtvoll in den europäischen Markt – wobei ihr EE-PC wohl deutlich interessanter und auch nützlicher ist, als solche Spielereien wie Edelnotebooks mit Holzgehäuse ;) wer dafür Geld ausgibt…. naja -
Der EE-PC, das wissen mittlerweile auch Alle, wird jetzt mit verbesserter Auflösung und verbessertem Preis, also 100 Eur teurer, in einer neuen Generation ausgeliefert.
Diese Mini-PCs können nach einschlägigen Tests weder PC noch Notebook oder PDA ersetzen, sondern allenfalls als Ergänzung für unterwegs dienen. Dafür verkaufen sie sich aber ziemlich gut – so gut, dass Asus in massive Lieferschwierigkeiten gekommen ist…. die man aber bald überwunden zu haben hofft.

<><>CeBit Außenansichten
Brötchen von Bill
CeBit Außenansichten

Wie bei einem Consumer-Tag nicht anders zu erwarten gab es auch jede Menge völlig sinnloses Spektakel, das mehr stört als sonst etwas bringt, und mit dem man nur auf die sog. Beutelratten, also die Prospekt- und Werbegeschenksammler abzielt.
Solche Veranstaltungen sind es, die einen CeBit-Besuch am Wochenende zu einer nervenaufreibenden Sache machen.


<>Telefonanlage
HP Drucker
IBM Blade Server

Abgerundet haben wir unseren Messebesuch mit einem Abstecher zu HighEnd-Telefonanlagen- von Panasonic, HighEnd-Druckern von HP und dem Stand von IBM, wo der Konzern seine Bladeserver präsentierte.
Was soll ich euch dazu groß erzählen, diese Dinge kennt sicher Jeder – es waren jetzt nicht die großen Neuigkeiten, aber interessant fand ich es trotzdem.

Blick zurück

Fazit
Die CeBit 2008 hat keine bevorstehende Revolution der IT erkennen lassen, aber sie hat viele kleine, interessante Entwicklungen gezeigt, die das Leben mit der Technik und deren Nutzung einfacher und sinnvoller werden lassen könnte.